Aber ich will es nicht. Ich will weglaufen. Weg von hier. Dem entkommen was mich erwartet. All das Leid, der ganze schwere Weg.
Ich kann nicht weglaufen, der Krebs macht es unmöglich. Das Bein ist schwer. Es lässt sich nur schwer bewegen. Es tut weh. Es tut weh mitzuerleben nichts mehr selbst tun zu können.
Kraftlos, hilflos – abhängig!
Es scheint so unmöglich den Berg zu erklimmen.
Vielleicht werde ich nicht oben ankommen, aber wenn ich es versuche, komme ich vielleicht bis zur Hälfte. Auf jeden Fall komme ich weiter, als bis zu dem Punkt, an welchem ich jetzt bin.
Ich will vergessen. Diese Zeit vergessen. Sie gar nicht erlebt haben. Es lässt sich nicht ändern. Jetzt bin ich hier, an diesem Punkt. Es ist noch nicht vorbei, aber schon jetzt habe ich mich verändert. Ich habe mich verändert. Wie? Das weiß ich nicht. Ich weine. Ich fluche. Ich träume. Ich lache. Ich lebe! Ich habe Angst.
Ich bin dankbar für jeden Tag. Dankbar für schmerzfreie Tage. Weiß ganz andere Dinge zu schätzen. Kleine Dinge, die doch so groß sind. Dinge die Lebensbestimmend sind und als selbstverständlich angesehen werden.
Selbstverständlich? Was ist eigentlich selbstverständlich? Gar nichts ist selbstverständlich!
Sie versuchen zu verstehen. Sie versuchen zu helfen. Sie sind machtlos. Können keine Heilung beschleunigen, können kein Leid abnehmen.
Aber auch sie leiden. Auch sie sind verwirrt. Ungewiss wie zu handeln ist. Was sollen sie mir sagen? Sie brauchen nichts sagen. Für mich da sein, wenn ich sie brauche. Die größte Hilfe.
Sie leiden scheinbar mehr als ich. Warum muss ich sie aufmuntern?
Tue ich es nicht, ziehen sie mich und meine Laune nach unten. Sie reden darüber. Scheinbar immer, andauernd, nur, ausschließlich. Das hilft nicht. Ablenkung hilft. Nicht verdrängen. Auch diese Gedanken müssen zugelassen werden. Wobei es mir nicht hilft.
Ja, ich gehe voraus, aber nimm trotzdem meine Hand und komme mit mir! Sei bei mir. Sei für mich da, so hilfst du mir.
Es gibt so viele Dinge für die ich jeden Tag dankbar bin. Ein Freund, eine Freundin, die Familie. All die Personen die sich Zeit für mich nehmen. Die für mich da sind.
Sie versuchen zu verstehen. Sie versuchen zu helfen. Sie sind machtlos. Können keine Heilung beschleunigen, können kein Leid abnehmen.
Aber auch sie leiden. Auch sie sind verwirrt. Ungewiss wie zu handeln ist. Was sollen sie mir sagen? Sie brauchen nichts sagen. Für mich da sein, wenn ich sie brauche. Die größte Hilfe.
Sie leiden scheinbar mehr als ich. Warum muss ich sie aufmuntern?
Tue ich es nicht, ziehen sie mich und meine Laune nach unten. Sie reden darüber. Scheinbar immer, andauernd, nur, ausschließlich. Das hilft nicht. Ablenkung hilft. Nicht verdrängen. Auch diese Gedanken müssen zugelassen werden. Wobei es mir nicht hilft.
Ich will vergessen. Diese Zeit vergessen. Sie gar nicht erlebt haben. Es lässt sich nicht ändern. Jetzt bin ich hier, an diesem Punkt. Es ist noch nicht vorbei, aber schon jetzt habe ich mich verändert. Ich habe mich verändert. Wie? Das weiß ich nicht. Ich weine. Ich fluche. Ich träume. Ich lache. Ich lebe! Ich habe Angst.
Ja, ich gehe voraus, aber nimm trotzdem meine Hand und komme mit mir! Sei bei mir. Sei für mich da, so hilfst du mir.
Ich habe davon geträumt eines Tages das Krankenhaus gehend und gesund zu verlassen und dort weitermachen zu können wo ich aufgehört habe. Ich habe das Krankenhaus gehend verlassen und habe die Therapie erfolgreich abgeschlossen.
Alles Passierte scheint im Rückblick so unwirklich. Die Narben, die Schmerzen, die Alpträume und die vielen Gedanken daran sind in Erinnerung geblieben. Alles scheint im Nachhinein völlig unwirklich. Wie ein gesehener Horrorfilm, wegen welchem man sich Nachts nicht alleine in sein Zimmer traut, wenig oder gar nicht schläft weil die ganzen schrecklichen Szenen noch alle im Kopf rumschwirren.
Jede noch so kleine Veränderung verunsichert mich. Manchmal frage ich mich, ob ich mir manche Schmerzen wirklich nur einbilden könnte. Danach weiß ich immer, dass es nicht so war. Etwas mehr Schmerz im Bein und ich könnte sofort ausrasten, weil ich daran denken muss, dass das eine erneute Infektion bedeuten und im schlimmsten Fall eine Amputation zur Folge haben könnte.
Sich über das freuen was man jetzt hat. Jeden Augenblick im neuen Leben genießen. Ich kann es noch nicht. Momente der völligen Verzweifelung, Fragen über den Sinn des Lebens und erfolglose Versuche sich die Zukunft vorzustellen. Die furchtbare Erinnerung an den Horrorfilm welcher abgeschlossen schien, sie ist es noch lange nicht.
Ich bin noch nicht mal zwei Monate Zuhause und habe das Gefühl, dass es mit jedem Tag ein Stück schlimmer wird. Je mehr ich versuche zu verarbeiten umso schlimmer wird es. Am schönsten sind die Tage an denen ich am wenigsten daran denken muss. Davon durfte ich in der Vergangenheit schon einige erleben. Familie und Freunde haben mir dabei geholfen und ich bin dafür sehr dankbar.
Es gibt viele schöne Sätze, Sprüche, Songs, Gedichte welche davon erzählen, dass man sein Leben nicht träumen, sondern seine Träume leben soll. Dass man keine Zeit verlieren und diese sinnvoll nutzen soll. Sinnvoll ist nur das, das einem selbst gefällt. Ich denke man sollte sein Leben so leben, sodass man im Nachhinein nichts bereut. Sicher kommt nicht immer alles so, wie man es erwartet.
Manche Leute behaupten, dass ich leichtsinnig mit meinem Leben umginge, wegen der Tatsache, dass ich Motorrad fahre und wie ich dies mache. Sicher, ein kleiner Fehler, ein Umfaller auf die falsche Seite und mein Bein ist hin. Wahrscheinlich ist es das gleiche Prinzip, als wenn man versucht einen Raucher zu belehren. Ganz nach dem Motto: rauche jetzt, zahle später. Sicher wollen weder Raucher noch Motorradfahrer ohne Beine leben oder mit anderen Einschränkungen nur noch begrenzt am Leben teilhaben können. Kommt es doch soweit, so ist es passiert, weil man selbst dieses Risiko eingegangen ist. Damit kann ich leben. Aber ich kann nur schwer damit leben zu wissen, wegen des Zufalls, aus nicht ersichtlichen und unnötigen, sinnlosen Gründen ich mit dem Risiko leben muss jederzeit wieder an einer Krankheit zu erkranken, welcher ich möglicherweise nicht noch einmal im den Arsch treten kann. Das macht mich fertig. An manchen Tagen komme ich gut damit klar, an anderen liege ich deswegen am Boden.
Ja, eigentlich möchte ich dann von irgendjemandem aufgehoben werden. Auf der anderen Seite möchte ich aber zudem einfach nur alleine sein und in Ruhe gelassen werden. Es gibt einige ganz wenige Personen, welchen ich Dinge erzählt habe, welche niemand sonst weiß. Ich würde gerne wieder mit diesen Menschen reden. Genau dann, wenn es mir so schlecht geht. Leider haben sie sich dazu entschlossen sich aus meinem Leben zurückzuziehen. Kein Vorwurf, eine Tatsache.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen