Wenn mich Menschen im Rollstuhl sehen, dann kommen stetig Fragen. Was ist los? Alles ok?
Besonders wenn diese mich nur oder überwiegend mit Prothese kennen.
Aber, was es bedeutet auf das Metallbein in gewisser Weise angewiesen zu sein, wissen nur wenige. Woher auch? Bock? Dann lies weiter.
Im November Ärger. Druckstelle. Bluterguss.
Was es dann heißt, eine Veränderung, bzw. einen neuen Schaft zu bekommen, damit die Prothese wieder passt, ist ein Graus.
39 Tage brauchte die Kasse für die Genehmigung. Dann Lieferverzögerung vom neuen Liner. Dann Gipsabdruck und Schaft Neubau. Dann Materialfehler und das Teil reißt. Wieder Gips. Wieder neu. Da ging wieder ordentlich Zeit ins Land.
Mit jedem Tag ohne Prothese, denkt sich der Stumpf : chillen? Cool. Ich mach mich AL breit und lager dir n bisschen Wasser ein, für später.
Heute dann endlich die Prothese in Empfang genommen.
Dabei bleibt es aber nie. Stundenlang anziehen. Ausziehen. Anpassung. Anziehen. Laufen. Schmerzen. Ausziehen. Anpassung.
Anschließend ist der Stumpf so am Ende, dass ich gar nicht mehr sagen kann wo noch irgendwas drückt.
Also erstmal mitgenommen. Morgen Abend dann mal für ein paar Minuten wieder anziehen und testen. Jeden Tag langsam immer weiter die Zeit erhöhen. Ganz ganz langsam. Du ziehst dir nicht das Ding an wie n Schuh und gehst los. Manche ja. Ich nicht. Passt scheinbar nicht in meine Bestimmung.
Das wird in nächster Zeit nicht der letzte Besuch beim Techniker gewesen sein.
Nach nur 30min wurde der Stumpf wieder dünner. Das Wasser pumpte sich durch die Muskelbewegung quasi raus. Nach einer Stunde hatte ich im Schaft zu viel Spiel und es musste aufgrund dessen weiter angepasst werden.
Ein kleiner Einblick in "wann kriegst du denn endlich die Prothese wieder?"
Ein neuer kleiner Alltagskampf hat mal wieder begonnen. Die Disziplin und der Wille wieder mit beiden Beinen im Leben zu stehen sind noch oben auf. Unter anderem weil meine Gelenke die Belastung nicht so geil finden.
Phasenweise kann ich Menschen gut verstehen, die das Bein in die Ecke stellen und die Faxen dicke haben, von Schmerzen und stetigen Rückschlägen.
Glückwunsch. Hier ist der Beitrag mit dem Einblick auch schon vorüber.
Aus diesem Winter habe ich mal wieder viel gelernt. Mich so perspektivisch so zu organisieren und einzurichten, dass ich auch ohne Prothese klar komme. Allein dafür, um das selbst auf die Beine zu stellen, lohnt es sich wieder laufen zu können / zu lernen.
Keep on rolling.
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