Stell dir vor, du ziehst dir vier Paar Socken an.
Zwänge dich in deinen Winterstiefel und lege dir abschließend noch ne Kiste Wasser auf den Fuß.
Der Fuß wird warm. Heiß. Es drückt. Der Druck wird schnell mehr. Du spürst die Zehen noch. Bewegen ist nicht möglich.
Das Kribbeln und das Wärmegefühl werden mehr. Es schmerzt. Es zieht langsam am Schienbein hoch, ein Stechen im Knie.
Plötzlich sticht es, wie eine Stecknadel in der Fußsohle. Dein Bein zuckt unkontrolliert. Der Schmerz zieht bis in die Hüfte. Du könntest schreien.
Du fässt dir reflexartig an das schmerzende Bein.
Du greifst ins Leere. Dein Bein ist nicht da.
Phantomschmerzen.
Was hilft? Medikamente. Lyrica - so der Handelsname.
Berührungen am Fuß, welcher noch da ist helfen zeitweise.
Mal hilft das Berühren und Hinsehen des Stumpfes.
Mal hilft die Illusion mit Hilfe eines Spiegels, um dem Gehirn vorzugaukeln, das rechte Bein sei noch da. In der Klinik habe ich mit dieser Spiegeltherapie begonnen. Ein interessantes Konzept, auf welches man sich allerdings einlassen muss, damit es etwas bringen kann.
Manchmal hilft alles zusammen.
Manchmal hilft gar nichts.
Die Prognose jedoch ist gut, dass diese mit der Zeit vollständig verschwinden. Geduld ist wie immer gefragt.
In neuen Situationen, beim Anziehen, Einsteigen ins Auto, umdrehen im Bett, fühlt es sich wie ein Stromschlag an, welcher durch Mark und Bein geht. Als ob das Gehirn erwartet, dass das fehlende Bein einen Reiz spürt.
Die ersten Tage fühlte es sich dauerhaft so an, als hinge das Bein im 90Grad Winkel durch das Bett. Selbst beim Aufstehen, stand das amputierte Beim nach hinten weg. Der Fuß schlief dauerhaft ein. Eine völlig verrückte Vorstellung. Ein schwer beschreinliches Gefühl.
Beim Hin und Her bewegen des Oberschenkels, spüre ich immernoch wie mein fehlender Unterschenkel mitschwingt.
Ich wollte es euch mal näher bringen. Gehört hatte ich von dem Phänomen im Vorfeld natürlich schon ausgiebig. Aber wie es sich dann in der Realität zeigt, wusste ich natürlich nicht.

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